Warum kann Jan Fleischhauer nicht zitieren?

Der Journalist Jan Fleischhauer macht sich viele Gedanken über Linke oder über das, was er für Linke hält. Er hat ein Buch über Linke geschrieben („Unter Linken“) und einen Film gedreht („Unter Linken“). Auch in seiner Spiegel-Online-Kolumne „Der Schwarze Kanal“ macht er sich Gedanken über Linke oder über das, was er für Linke hält. In seiner aktuellen Kolumne fragt er zum Beispiel: Warum sind so viele Journalisten links?

Gut ist, dass Jan Fleischhauer schon einen Film („Unter Linken“) gedreht hat, in dem er die selbe Frage stellt. Zum Beispiel dem konservativen Journalisten Roger Köppel, Chefredakteur und Verleger der Schweizer „Weltwoche“.  Der hatte auch eine Antwort. Sie ist erstaunlich nah an dem, was Jan Fleischhauer jetzt in seiner Kolumne schreibt (ab Minute 14:03):

 

 

Roger Köppel sagte damals das:

Ähnlich wie der Lehrerberuf, ziehen wir natürlich etwas mehr die Moralisten, die Moralapostel, die Prediger und so weiter an. Die sind einfach naturgemäß eher links. Wenn man mit Bill Gates in die Grundschule gegangen ist und Vierzig Jahre später Bill Gates im Fernsehen sieht und man feststellt „Der Mann hat 50 Milliarden“, ich bin beispielsweise Journalist oder Chefredakteur einer mittelgroßen Zeitung. Der Kopf meiner Frau dreht sich. Ich spüre schon den unausgesprochenen Vorwurf: „Ja, du bist doch mit Bill Gates in die Schule gegangen. Er hat 50 Milliarden. Du bist nur Journalist geworden. Wo liegt das Problem?“ Da haben Sie ja nur eine Möglichkeit, wie Sie sich aus dieser Situation herauswinden können. Sie müssen Ihrer Frau sagen: „Ja, das stimmt schon, Bill Gates ist viel reicher als ich. Aber, ich bin natürlich nie über Leichen gegangen. Ich bin ihm natürlich moralisch überlegen. Ich hatte nie diese Kaltblütigkeit.“

Jan Fleischhauer schreibt jetzt das:

Bleibt die Frage, warum so viele Journalisten mit erkennbarer Verachtung auf Leute blicken, die es zu Ruhm und Reichtum gebracht haben. Die Draufgänger der Kindheit trifft man später oft als Versicherungsvertreter oder Packer im Getränkemarkt wieder. Die Konkurrenten, von denen es sich im Nachhinein abzusetzen gilt, sind eher die Jungs oder Mädels mit der Brille und der Stoffhose, die es wider Erwarten an die Spitze eines Millionenunternehmens gebracht haben. Die Abwertung hat so gesehen möglicherweise eher psychohygienische Gründe. Wer mit Bill Gates (oder heute Marissa Mayer) zur Schule gegangen ist, hat nur eine Möglichkeit zu rechtfertigen, warum es bei ihm lediglich zu einer Stelle im Mittelbau einer Zeitung oder Fernsehanstalt gelangt hat. Na gut, sagt er sich: Diese Leute sind sehr viel reicher als ich. Aber dafür habe ich mich nicht korrumpiert wie sie. Ich bin nicht zum Schwein geworden.

Das ist nicht rechts. Das ist nicht links. Das ist geklaut. Und ansonsten wäre das doch eine interessante Frage für die nächste Kolumne, lieber Herr Fleischhauer: Warum können Rechte nicht zitieren?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s