#Zehnfragen an Nora Gantenbrink

2012-10-15 20.38.46

„70 Prozent meiner Arbeitszeit gehen für Angst drauf.“

Nora Gantenbrink, 27, ist Kulturredakteurin beim Stern.  Sie schreibt gerade ein Buch über hinterhältige Dinge wie Organhandel Liebeskummer. (Foto: Jeannette Corbeau)

1. In welchem Alter warst Du erstmals davon überzeugt, als Journalistin Dein Geld verdienen zu können und was gab Dir die Sicherheit?

Diese Sicherheit gab mir meine erste Festanstellung bei Spiegel-Online mit 24. Ich gab sie allerdings auf.

2. Gibt es in Deutschland eher zu viele oder zu wenige Journalisten?

Das weiß ich nicht.

3. Was ist, in einem Wort, die Aufgabe eines Journalisten?

Machen.

4. Was ist, in wenigen Worten, das Problem am Zeitungssterben?

Anders machen müssen.

5. Was ist, in einem Satz, das Problem an Zeitungen?

„Wenn die Zeitungen ein Mittel zur Unordnung sind, so sind sie auch ein Mittel zur Ordnung. Gerade Leute wie Herr Wirr bewiesen durch ihre Unzufriedenheit den Wert der Zeitungen. Herr Wirr meint, der heutige Unwert der Zeitungen beschäftige ihn, aber in Wirklichkeit ist es der morgige Wert. Herr Wirr hielt den Menschen für hoch und die Zeitungen für unverbesserbar, Herr Keuner hingegen hielt den Menschen für niedrig und die Zeitungen für verbesserbar. ‚Alles kann besser werden‘, sagte Herr Keuner, ‚außer dem Menschen.’“ – Bertolt Brecht.

6. Isst Du oft in einer Kantine und wenn ja, welches Gefühl hast Du dabei?

Ich habe Angst dick zu werden. Pappsatt, träge, kugelrund. Und ich habe Angst, dass ich irgendwann schon morgens gucke, was es mittags gibt.

7. Hattest Du schon mal Angst bei der Ausübung Deines Beruf und wenn ja, warum?

70 Prozent meiner Arbeitszeit gehen für Angst drauf.

Angst vor :

Absagen,

Interviews,

Autorisierungen,

Redigaturen,

Rechtschreibfehlern,

Protagonisten,

falschen Schlussfolgerungen,

schlechten Texten.

8. Ist es ein Problem, dass vor allem Kinder der Mittelschicht den Beruf des Journalisten ergreifen?

Ja.

9. Was sagst Du in der Regel, wenn Du Deinem Chefredakteur/ Deiner Chefredakteurin auf dem Flur begegnest?

„Hallo!”

10. Wenn Du von einem Tag auf den anderen kein Journalist/ keine Journalistin mehr sein könntest, aus welchen Gründen auch immer, was würdest Du tun?

Technopartys organisieren. Einen Buchladen eröffnen. Vielleicht beides.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s